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Museen,
Musikfestivals und Open-Air-Konzerte im Trend
Die Menschen werden in Zukunft vor Konzertkassen, Museen
und Kunstausstellungen Schlange stehen wie die Nachkriegsgeneration
vor Lebensmittelläden: Diese frühe Zukunftsprognose
des BAT Freizeit-Forschungsinstituts aus dem Jahr 1992 ist jetzt
fünfzehn Jahre später in Deutschland Wirklichkeit
geworden. Seit Ende Mai stehen täglich bis zu 5.000 Besucher
Schlange vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Und während
der Interessentenkreis für traditionelle Angebote von der
Oper (1992: 14% - 2007: 8%) bis zum Ballett (1992: 14% - 2007:
5%) um die Hälfte zurückgeht, verlagert sich der Interessenschwerpunkt
seit 1992 immer mehr auf spezielle Angebote der Eventkultur mit
dem Charakter des Außergewöhnlichen. Dies geht aus
einer aktuellen Repräsentativbefragung hervor, in der die
STIFTUNG FÜR ZUKUNFTSFRAGEN von British American Tobacco
2.000 Personen ab 14 Jahren nach ihren Kulturinteressen befragt
und mit den Umfrageergebnissen vor fünfzehn Jahren verglichen
hat.
Immer mehr Städte und Regionen gehen dazu über,
einen eigenen Kultursommer zu kreieren, eine Art fünfte Jahreszeit
für Städtetouristen und Daheimurlauber, so Prof.
Dr. Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung.
Exklusive Sonderausstellungen in Museen und Galerien machen
den Besuch zum gesellschaftlichen Ereignis. Ein Muss
für viele. Man geht eben hin. Die Kulturszene
wird zur Eventkultur, über die die Medien bereits berichten,
bevor die Veranstaltungen überhaupt stattgefunden haben.
Die Kulturlandschaft wird zum Erlebnisraum für ein breites
Publikum. Der massentouristische Ansturm bleibt nicht aus. Die
Hochkultur bekommt Züge von Massenkultur. Insbesondere die
junge Generation wandert im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
massenhaft in die Kulturveranstaltungen mit Ereignischarakter
ab. Dazu zählen vor allem Musikfestivals (38% - übrige
Bevölkerung: 21%) und Open-Air-Konzerte (43% Gesamtbevölkerung:
21%), während die 55plus-Generation nach wie vor lieber in
die Oper (13%) als zum Musikfestival (11%) geht wenn auch
beim Opernbesuch mit sinkender Tendenz (1992: 16% - 2007: 13%).
Professor Opaschowski: Kultur bekommt als Ereignis- und
Unterhaltungskultur eine neue Qualität. Angebote, die den
Erlebniswert vernachlässigen, keinen Gesprächsstoff
liefern und keine Diskussionen auslösen, haben einen schweren
Stand. Erlebniskultur zahlt sich aus und macht Subventionen langfristig
zu Investitionen. Die Vorstellung von der Kultur als brotlose
Kunst wird schon bald der Vergangenheit angehören.
Die Gewinner der Kulturszene: Museen als Trendsetter
In der Gunst um die Besucher und Sponsoren sind insbesondere die
Museen in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewesen. Sie gelten
geradezu als die Gewinner der Kulturszene: Fast jeder vierte Bundesbürger
(1992: 20% - 2007: 23%) zählt sich zum interessierten Besucherkreis.
Gemeinsam mit anderen Ausstellungshäusern verzeichnen Museen
derzeit rund 100 Millionen Besuche pro Jahr. Statt nur das Museale
zu bewahren, erschließen die Museen durch die ständige
Attraktivierung ihres Angebots immer breitere Bevölkerungsschichten.
Dies gelingt mit Veranstaltungen wie die Lange Nacht der
Museen oder der MoMA-Ausstellung in Berlin. Die Museen
wollen nicht mehr nur Traditionshüter sein, so Julia
Rombach, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der BAT Stiftung und
Autorin des heute im Buchhandel erscheinenden Buches Traditionshüter
oder Trendsetter? Zur Zukunft der Museen (Lit Verlag). Es
entsteht eine neue Generation von Museen, die Trends für
den gesamten Kulturbereich setzt. Durch professionelle Medien-
und Öffentlichkeitsarbeit, zunehmende Besucherorientierung
und neue interaktive Vermittlungsformen werden Museen immer attraktiver.
Die Museumsbesucher von heute wollen nicht belehrt, sondern intelligent
unterhalten werden.
Kommunikationsfördernde und unterhaltsame Angebote gestalten
den Museumsbesuch abwechslungsreich und führen die Besucher
auf angenehme Weise an die Inhalte heran. Kritiker sehen in der
Massenkultur und der Popularisierung der Museen die Gefahr, dass
die Inhalte reduziert und simplifiziert werden. Aber um ihre gesellschaftliche
Funktion wahrnehmen zu können, brauchen insbesondere die
öffentlichen Häuser hohe Besucherzahlen. Rombach: Auf
Masse und Unterhaltung ausgerichtete Konzepte können kontinuierliche
Kulturarbeit zwar nie ersetzen. Aber wenn es ihnen gelingt, Kultur
und kultureller Bildung Aufmerksamkeit zu verschaffen und bei
den Menschen Interesse an Kultur zu wecken, dann erfüllt
auch die Massenkultur ihren gesellschaftlichen Auftrag.
Trotz vieler Neuerungen ist die Museumslandschaft vom kulturpolitischen
Anspruch Kultur für alle aber immer noch weit
entfernt: Unter den Museumsinteressierten dominieren mit großem
Abstand die Höhergebildeten (Hochschulabsolventen: 40% -
Gesamtbevölkerung: 23%). Nach wie vor gilt: Bildung macht
Kultur. Selbst Preisvergünstigungen oder Nulltarife können
den notwendigen Ausgleich von Bildungsdefiziten nicht ersetzen.
Das Museumspublikum ist ein Abiturpublikum geblieben.
Das Buch
JULIA ROMBACH:
Trendsetter oder Traditionshüter?
Die Zukunft der Museen.
ist ab sofort im Buchhandel erhältlich:
224 Seiten - ISBN 978-3-8258-0669-9 (LIT Verlag Münster)
- 2007 - 24,90 Euro
Artikel
erschienen am 12.07.2007 - B.A.T.
www.presse.teletour.info
www.presse.arena-verona.de
www.presse.kinderundopern.de
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