Medienberichte
NEWS - Stets aktuelle Medienberichte über Tourismus und Internet

TUI spürt eine Nachfragebelebung

Keine Auswirkungen durch Terroranschlag in Madrid / Hotel-Portal im Internet gestartet / Neue Organisation in Deutschland

TUI AG, Hannover. Europas größter Reisekonzern spürt Anzeichen einer zunehmenden Nachfrage nach Pauschalreisen. "Eine lange Durststrecke liegt hinter uns, es geht allmählich wieder bergauf", sagte Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG, am Samstag am Rande der ITB in Berlin. Im laufenden Wintergeschäft verzeichnete der Konzern in Europa bei den Umsätzen gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von 6,1 Prozent und bei den Reiseteilnehmern eine Steigerung um 6,4 Prozent. Für die Sommersaison liegen die Buchungen nach einem schwachen Start derzeit im Vorjahresvergleich bei einer Umsatzsteigerung von einem Prozent, wobei sich die Gästezahlen auf dem schwachen Vorjahresniveau befinden. Für das gesamte touristische Jahr 2003/04 (31. Oktober) ist der gebuchte Umsatz um 3,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet Frenzel ein Marktwachstum von 5 Prozent. Er geht davon aus, daß der Konzern stärker als der Markt wachse. "Wir merken deutlich, daß der Markt kommt."

Auf dem deutschen Markt, der rund ein Drittel des gesamten touristischen Marktes des Konzerns ausmacht, sieht Deutschland-Chef Volker Böttcher eine allmähliche Erholung. Im Wintergeschäft habe die TUI Deutschland bei den Gästezahlen eine Steigerung um 7,9 Prozent verzeichnet, wobei durch die niedrigeren Katalogpreise der Umsatz nur um 2,2 Prozent zugenommen habe. Im November und Dezember lagen die deutschen Veranstalter des Konzerns deutlich unter den Vorjahreswerten. Allerdings gebe es nun von Woche zu Woche eine kräftige Erholung, sagte Böttcher. Aktuell lägen die gebuchten Umsätze knapp ein Prozent über dem Vorjahr, während der Gästezuwachs 3,1 Prozent betrage. Böttcher und Frenzel machten deutlich, daß sie an ihrer Strategie festhielten, nicht über niedrigere Preise oder gar Preisaktionen Marktanteile zu gewinnen. "Wir haben darauf verzichtet, Produkte im großen Stil zu verramschen", sagte Frenzel. Umsatzqualität gehe vor reinem Mengenzuwachs. Er sei nicht euphorisch, aber im Vergleich mit anderen Branchen (Automobilindustrie) sei er zufrieden. "Der Aufschwung in der Reisebranche hat begonnen", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Durch die Terroranschläge sieht Frenzel die beginnende Erholungstendenz nicht unmittelbar betroffen. "Wir sind betroffen von den Anschlägen in Madrid", aber die TUI spüre in ihren wichtigen Märkten in Großbritannien und Deutschland keine Verunsicherung der Kunden oder gar Stornierungen. Der spanische Markt macht für den TUI-Konzern einen Anteil von 40 bis 50 Prozent aus. So fahren rund eine Million Deutsche mit der TUI nach Mallorca, und aus Großbritannien buchen rund 3 Millionen Urlauber ihren Spanien-Urlaub mit Reiseveranstaltern des Konzerns. Auf Meldungen, daß auch die TUI Drohbriefe der Eta bekommen habe, sagte Frenzel: Dies sei nicht unüblich. Im vergangenen Jahr seien fünf solcher Briefe bei der TUI eingegangen, die diese Briefe sofort an die Behörden (BKA/LKA) weiterreiche. Letztmals sei dies Anfang Februar geschehen. Mitte Februar habe die TUI die Mitteilung erhalten, in der es hieß: ". . . Von einer Erhöhung der Gefährdungslage für Touristen in Spanien . . . wird jedoch nicht ausgegangen . . ." Zudem habe es in dem betreffenden Schreiben keinen Hinweis auf mögliche Terrorakte in Madrid gegeben. Überdies gebe es bisher nach wie vor keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes weder für Madrid noch für andere spanische Regionen.

Frenzel verteidigte nochmals den Ansatz des integrierten Touristikkonzerns, der seinen Kunden auf allen Wertschöpfungsstufen (Reisebüro, Hotel, Flug und Gästebetreuung vor Ort) ein Angebot aus einer Hand und unter einer Dachmarke anbiete. Allerdings werde dieses System weiterentwickelt, sagte Frenzel auch im Blick auf den unverändert hohen Anteil von Individualreisenden. Denn rund 58 Prozent aller Deutschen reisen nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter. Das sind immerhin rund 48 Millionen Urlauber. Diese Relation hat sich in den vergangenen schwierigen Jahren zuungunsten der Reiseveranstalter verändert. Vor drei Jahren wurde jede zweite Urlaubsreise bei den Veranstaltern gebucht.

Für Individualreisende, die nur Flug und Hotel benötigen, hat die TUI am Samstag ein Hotel-Portal im Internet freigeschaltet. Unter www.tui-hotel.com bietet der Konzern mehrere tausend Hotels aller Kategorien. Es finden sich Städte-, Strand- und klassische Ferienhotels in dem Angebot, die entweder aus den TUI-Katalogen stammen oder von Hoteliers, die diesen Online-Marktplatz zur Vermarktung ihrer Kapazitäten nutzen wollen. Bei der Preisgestaltung haben die freien Anbieter die Möglichkeit, ihre Zimmer zu tagesaktuellen Preisen anzubieten. Auch Reisebüros können diese Plattform nutzen. Mit eigenen Zugangsdaten können sie diese Angebote vermitteln und erhalten eine Provision in Höhe von 8 bis 12 Prozent. Bis Ende des Jahres will die TUI ihr Angebot auf 5000 Hotels erweitern.

Wie Frenzel sagte, wachse der Markt für Reisen, die im Internet gebucht würden, stetig. Im Jahr 2005 würden rund 10 Prozent aller Reiseausgaben in Europa (28 Milliarden Euro) über das Internet getätigt. Mit rund 50 Web-Reiseseiten sei die TUI eines der größten Reiseunternehmen im Internet in Europa. Der Online-Umsatz des TUI-Konzerns habe sich in den vergangenen drei Jahren auf heute 726 Millionen Euro mehr als verzehnfacht, sagte Frenzel. Die Online-Buchungen würden in Skandinavien, Großbritannien und den Niederlanden am stärksten genutzt. Frenzel befürchtet keine interne Kannibalisierung durch einen verstärkten Online-Auftritt. Denn allein der Kunde entscheide, wo er buchen wolle. Ein Touristikunternehmen wie die TUI müßte daher alle Optionen nutzen, seine Leistungen auf unterschiedlichsten Vertriebswegen anzubieten.

Nach den Kostensenkungsprogrammen des vergangenen Jahres bei TUI Deutschland habe die Gesellschaft jetzt einen zweiten Schritt zu einer Organisationsreform begonnen, sagte Böttcher. Zum 1. Mai wird die TUI vier Profit-Center und einen speziellen Bereich für Produktentwicklung einführen. Anders als bisher seien die verantwortlichen Führungskräfte nicht mehr nur für die Weiterentwicklung der Produkte zuständig, sondern hätten künftig alle Instrumente in der Hand, um noch flexibler am Markt zu agieren. Diese Struktur sei notwendig, weil die TUI bisher alle Reisen nach der gleichen Produktionslogik geplant und abgewickelt habe. Das habe für die einfache Mallorca-Reise ebenso gegolten wie für die aufwendige Bausteinbuchung in Asien. Dies sei aber nun nicht mehr zeitgemäß.

Ähnlich verfahre man auch beim Flug, wo Hapag Lloyd Flug mehr Eigenverantwortung erhalte. Was darunter zu verstehen sei, ließ Böttcher offen. Er versicherte den Reisebüros, daß es auch weiterhin Provisionen für die Vermittlung von Pauschalreisen geben werde. Bei dem Verkauf und der Vermittlung von Flugbausteinen müßten allerdings neue Wege gegangen werden. Ob dies eine Nullprovision wie bei der Lufthansa einschließe, ließ Böttcher offen. Er suche den Dialog mit den Reisebüros und den Verbänden. Erst nach einer Branchendiskussion könne entschieden werden, sagte Böttcher. (noa.)

Artikel erschienen am 15.3.2004 - Frankfurter Allgemeine Zeitung


[TELETOURISMUS ONLINE ] [ITALIA TELETOURISMUS] [PRESSEBERICHTE]
2004 Teletour Online