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Konsumklima:
Geteiltes Deutschland
Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie im September
2004
Nürnberg,
28. September 2004 – Während die Indikatoren, die die Stimmung
der deutschen Verbraucher ausdrücken, im August noch eine uneinheitliche
Sprache gesprochen hatten, haben sie sich zu Herbstbeginn auf
breiter Front stabilisiert. Blieb der Index für die Anschaffungsneigung
in etwa konstant, legte die Konjunkturerwartung zum zweiten Mal
in Folge zu. Die Erwartungen an die persönliche Einkommensentwicklung
stiegen deutlich an. Damit kam der Abwärtstrend der Indikatoren
vorerst zum Stillstand. Das Konsumklima stabilisiert sich – nach
revidiert 2,1 Punkten im September – bei 2,4 Punkten für den Monat
Oktober.
Nachdem sich die Indikatoren, die die Stimmung der deutschen Verbraucher
erfassen, in den beiden Vormonaten eher uneinheitlich und teilweise
sogar negativ entwickelt hatten, vermitteln die Indikatoren im
September ein stabileres und etwas positiveres Bild. Die Indikatorwerte
bewegten sich der Tendenz nach allesamt aufwärts. Die Irritationen
der Diskussionen um Hartz IV scheinen etwas abzuebben. Auch sieht
es so aus, als hätte sich die Angst vor den Folgen steigender
Energiepreise abgeschwächt.
Mit
seiner leicht positiven Einschätzung der wirtschaftlichen
Lage steht der Verbraucher im September allerdings eher allein
da. Die Finanzanalysten (ZEW) schrauben ihre Konjunkturerwartungen
weiter zurück, gehen jedoch weiterhin von einer leichten
Konjunkturerholung bis März nächsten Jahres aus. Der
Skeptizismus der Finanzanalysten nährt sich vor allem aus
der Erwartung, dass der momentan einzige Motor der deutschen Konjunkturentwicklung,
der Export, an Kraft verlieren wird. Das Urteil der Unternehmen
(ifo) bleibt im September auf dem Niveau der Vormonatswerte.
Konjunkturerwartung:
zweiter Anstieg in Folge
Zum
zweiten Mal in Folge legten die Erwartungen der Deutschen an die
Konjunktur zu und erreichten mit einem Zuwachs von 6,5 Punkten
auf einen Wert von minus 11,9 wieder den Wert des Monats Juni.
Damit ist der Abwärtstrends vorerst gestoppt. Der Indikatorwert
entspricht etwa dem des Vorjahres.
Offenbar
hat sich die Aufregung um Hartz IV sowie die Angst vor steigenden
Energiepreisen gelegt, und dazu geführt, dass sich die Erwartungen
an die Konjunkturentwicklung leicht verbesserten. Jedoch ist anzunehmen,
dass die erneut sich verschlechternde Arbeitsmarktlage eine wirklich
spürbare Erholung der Konjunkturstimmung verhindert.
Eine
Stimmungsbremse stellt zusätzlich die nachlassende Wachstumsdynamik
in den USA dar, weil negative Auswirkungen auf die Exporte
derzeit wichtigste Antriebskraft der Konjunktur in Deutschland
zu befürchten sind. Dies ist auch der wesentliche
Grund dafür, warum die Finanzanalysten (ZEW) und Unternehmen
(ifo) die Konjunkturentwicklung bereits im August und teilweise
auch im September kritisch bewerteten.
Einkommensentwicklung:
geteiltes Deutschland I
Nach
zwei Monaten in Folge mit Verlusten konnten die Verbrauchererwartungen
an die persönliche Einkommensentwicklung nun wieder um sieben
Punkte zulegen und damit den Rückgang des Vormonats mehr
als kompensieren. Allerdings liegt der Indikatorwert von minus
12,3 über 11 Punkte hinter dem vergleichbaren Vorjahreswert
zurück.
Nachdem
sich die erste Aufregung um die Hartz-IV-Reformen etwas gelegt
hat, sieht es so aus, als gäben die Konsumenten ihre pessimistische
Erwartung hinsichtlich der Entwicklung ihres persönlichen
Einkommens auf. Dass die Diskussion um die Erhöhung der Energiepreise
in der Öffentlichkeit etwas an Brisanz verloren hat, dürfte
sich ebenfalls stabilisierend auf die Einkommenserwartungen ausgewirkt
haben.
Jedoch
bleibt der bereits im Vormonat aufgetretene Stimmungsunterschied
zwischen Bewohnern der alten und der neuen Bundesländer deutlich
erkennbar. Während sich in den neuen Bundesländern der
Wert der Einkommenserwartung weiter verschlechtert hat, verbesserte
er sich in den alten Bundesländern. Ursache dafür ist,
dass in Ostdeutschland wesentlich mehr Menschen von den anstehenden
Arbeitsmarktreformen insbesondere zur Verminderung der
Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind. Die offiziell
registrierte Arbeitslosenquote ist in den ostdeutschen Ländern
doppelt so hoch wie in Westdeutschland. Im Schnitt steht den Haushalten
in Ostdeutschland ein Viertel weniger Geld für ihre Lebenshaltung
zur Verfügung als in den alten Bundesländern.
Anschaffungsneigung:
geteiltes Deutschland II
Mit
einem leichten Plus von 0,4 Punkten gegenüber dem Vormonat
auf einen Wert von minus 27,4 bleibt der Indikator Anschaffungsneigung
im September auf dem Niveau des Vormonats und liegt um vier Punkte
höher als der Wert der vergleichbaren Vorjahresperiode.
Auch
hier zeigt der Ost-West-Vergleich, dass die Verbraucher der westdeutschen
Bundesländer langsam ihre Konsumfreude zurückgewinnen,
während die ostdeutschen Konsumenten ihre Zurückhaltung
gegenüber größeren Anschaffungen beibehalten.
Damit setzt sich die Polarisierung im Hinblick auf die Anschaffungsneigung
in West und Ost fort. Dies korrespondiert mit der bereits angesprochenen
Entwicklung der Erwartung an die persönliche Einkommensentwicklung.
Die nach wie vor herrschende Unsicherheit der Verbraucher in den
neuen Bundesländern hinsichtlich ihrer zukünftigen finanziellen
Situation und ihrer Arbeitsplätze macht es derzeit eher unwahrscheinlich,
dass die Verbraucher ihre Kaufzurückhaltung nachhaltig aufgeben.
Konsumklima:
Stabilisierung in Sicht
Die
Stabilisierung der Indikatoren Einkommenserwartung, Konjunkturerwartung
und Anschaffungsneigung hat dazu geführt, dass die rückläufige
Entwicklung des Indikators Konsumklima gestoppt wurde. Für
Oktober prognostiziert die GfK für das Konsumklima
nach revidiert 2,1 im Monat September einen Wert von 2,4.
Allerdings wird vom privaten Verbrauch weiterhin kein wesentlicher
Impuls ausgehen. Das wird voraussichtlich bis zum Jahresende anhalten.
Entscheidende Faktoren, die eine durchgreifende Wende bewirken
könnten, wären die konjunkturelle Entwicklung sowie
positive Signale vom Arbeitsmarkt. Unter diesen Bedingungen würde
die neuerliche Diskussion zur Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes,
der zufolge die meisten Bundesländer die gesetzlichen Ladenschlusszeiten
an allen Werktagen freigeben wollen, zusätzlichen Auftrieb
geben.
Zur
Studie
Die
Ergebnisse stammen aus der Studie GfK-Wirtschaftsdienst
Konsum- und Sparklima, die von der GfK Marktforschung herausgegeben
wird. Sie basieren auf monatlichen Verbraucherinterviews, die
im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In der
ersten Hälfte eines jeden Monats werden turnusmäßig
rund 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen unter
anderem gefragt, wie sie die gesamtwirtschaftliche Lage, ihre
Anschaffungsneigung und ihre Einkommenserwartung einschätzen.
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Einkommenserwartung
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Diesem
Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde:
‚Wie wird sich - Ihrer Ansicht nach - die finanzielle
Lage Ihres Haushalts in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?’
(verbessern - gleich bleiben - verschlechtern)
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Konjunkturerwartung
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Diesem
Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde:
‚Was glauben Sie, wie wird sich die allgemeine wirtschaftliche
Lage in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?’ (verbessern
- gleich bleiben - verschlechtern)
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Konsum-
und Anschaffungsneigung
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Diesem
Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde:
‚Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere
Anschaffungen zu tätigen?’ (Der Augenblick ist günstig
- weder günstig noch ungünstig - ungünstig)
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Konsumklima
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Dieser
Indikator soll die Entwicklung des privaten Verbrauchs erklären.
Seine wesentlichen Einflussfaktoren sind Einkommenserwartung
und die Anschaffungsneigung. Die Konjunkturerwartung wirkt
eher indirekt über die Einkommenserwartung auf das Konsumklima.
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Der nächste Veröffentlichungstermin ist der 27. Oktober 2004.
GfK Marktforschung GmbH
Wirtschaftsforschung
Rolf Bürkl
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E-Mail rolf.buerkl@gfk.de
Artikel
erschienen am 28.09.2004 - GfK
Marktforschung GmbH
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