| Konsumklima:
so gut wie seit langem nicht mehr
Ergebnisse
der GfK-Konsumklimastudie für Dezember 2005
Nürnberg,
28. Dezember 2005 – In der Stimmung der Deutschen sowohl in den
alten wie in den neuen Bundesländern endet das Jahr 2005 versöhnlich
und positiv. Vor allem setzen sie große Hoffnung in die allgemeine
Wirtschaftsentwicklung. Mehr noch: Ihre Neigung, größere Anschaffungen
zu tätigen, nimmt im Dezember erneut deutlich zu und erreicht
nach vier Jahren erstmals wieder einen positiven Wert. Dagegen
äußern sich die Konsumenten bei den Erwartungen an die persönliche
Einkommensentwicklung weiterhin eher zurückhaltend. Der Indikator
Konsumklima prognostiziert – nach revidiert 3,4 Punkten im Dezember
– für Januar 2006 einen Wert von 3,8.
Das
Ende der Koalitionsverhandlungen und der Start der aus der großen
Koalition hervorgegangenen Regierung haben den deutschen Verbrauchern
offenbar eine neue Zuversicht gebracht. Die Aufhellung der Stimmung
kommt vor allem in der gegenüber dem Vormonat deutlich positiveren
Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung zum Ausdruck.
Auch die Anschaffungsneigung nimmt zu und steigt erstmals seit
Dezember 2001 auf einen positiven Wert. Dagegen bleiben Erwartungen
an die Entwicklung der persönlichen finanziellen Situation
weiterhin eher zurückhaltend. In der gegenüber den Vormonaten
insgesamt positiveren Grundstimmung sind sich die Bürger
der neuen und alten Bundesländer weitgehend einig. Einzige
Ausnahme ist die Bewertung der persönlichen finanziellen
Zukunft.
In
ihrer zuversichtlichen Haltung stimmen die Verbraucher mit den
Einschätzungen sowohl der Unternehmen (ifo-Geschäftsklima)
als auch der Analysten (ZEW) überein.
Betrachtet
man die Verbraucherstimmung getrennt für Ost- und Westdeutschland,
zeigt sich, dass sich im Gegensatz zum Vormonat die Verbraucher
sowohl in den alten wie in den neuen Bundesländern ausnahmslos
positiv zu den konjunkturellen Aussichten äußern. Das
trifft ebenso auf die Anschaffungsneigung zu. Lediglich bei der
Einschätzung der eigenen finanziellen Situation gehen die
Erwartungen auseinander: Nur in den alten Bundesländern scheint
eine Hoffnung auf Verbesserung zu keimen.
Konjunkturerwartung:
positiv wie letztmals Mitte 2002
Deutsche
Konsumenten glauben zum Ende des Jahres sehr viel häufiger
als zuvor, dass es mit der konjunkturellen Entwicklung aufwärts
geht. Nach einer Abwärtsbewegung im November legte der Indikator
zum Jahresende um 20,5 Punkte kräftig zu und setzte damit
die seit Mitte 2005 anhaltende Aufwärtsentwicklung fort.
Mit einem Wert von 11,9 liegt er jetzt deutlich im positiven Bereich
und ist so hoch wie seit Juli 2002 nicht mehr. Gegenüber
dem entsprechenden Vorjahresmonat erhöhte sich der Indikatorwert
um mehr als 30 Punkte. Die optimistischere Konjunktureinschätzung
wird besonders stark von den Verbrauchern im Westen getragen.
Allerdings äußern sich auch die Ostdeutschen erneut
deutlich positiver als im Vormonat.
Der
positive Stimmungsumschwung in diesem Monat ist offensichtlich
da
rauf zurückzuführen, dass die Verbraucher an die Durchsetzungskraft
der neuen Regierung glauben. Sie scheinen ihr zuzutrauen, dass
sie in der Lage ist, die notwendigen positiven Signale zu setzen,
um den auf Basis der guten Exportaktivitäten und der steigenden
privaten Investitionen sich abzeichnenden Konjunkturaufschwung
zu stützen.
Einkommenserwartung:
weiterhin negativ, aber gefasst
Von
den ungewöhnlich stark gestiegenen Erwartungen an die konjunkturelle
Lage profitierten die Erwartungen an die persönliche finanzielle
Situation im Dezember nur bedingt. Der Indikator Einkommenserwartung
stieg leicht um 1,6 Punkte auf einen Wert von minus 11,3. Damit
setzt sich der charakteristische Zick-Zack-Kurs der letzten Monate
fort. Der Indikatorwert scheint sich auf einem Niveau um minus
10 Punkte einzupendeln. Anders als im November äußern
sich im Dezember die Verbraucher aus den alten Bundesländern
positiv, während sich die aus den neuen Bundesländern
wieder deutlich negativer äußern.
Da
die Regierung in den Koalitionsvereinbarungen den Verbrauchern
verhältnismäßig klar darlegte, wann sie mit welchen
finanziellen Belastungen zu rechnen haben, dürfte sich die
Planungssicherheit auch hinsichtlich ihrer Erwartungen an die
Einkommensentwicklung wieder etwas verstärken. Der große
Unterschied zwischen Ost und West zeigt, dass die Verbraucher
in den alten Bundesländern die angekündigten finanziellen
Belastungen wie die erhöhte Mehrwertsteuer und die niedrigere
Pendlerpauschale sehr viel gelassener aufnehmen als die insgesamt
einkommensschwächeren Konsumenten in den neuen Bundesländern.
Anschaffungsneigung:
erstmals über langjährigem Durchschnitt
Die
positive Konjunkturstimmung der Konsumenten scheint sich auch
auf deren Neigung, in nächster Zeit größere Anschaffungen
zu tätigen, auszuwirken.
Der Indikator Anschaffungsneigung legte im Dezember um 10,2 Punkte
auf einen Wert von 2,1 zu. Er liegt damit erstmals Ende 2001 wieder
im positiven Bereich. Ein höherer Wert war zuletzt kurz vor
Einführung des Euro zu verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahresmonat
stieg der Indikator um gut 24 Punkte.
Die
neue Konsumlust betrifft sowohl die neuen wie die alten Bundesländer.
In den neuen Bundesländern hat sich die Anschaffungsneigung
wie schon im November trotz der pessimistischeren Einkommenserwartungen
deutlich stärker als in den alten Bundessländern
erhöht.
Damit
setzt die Konsumneigung den klaren Aufwärtstrend fort. Nach
Jahren der Zurückhaltung ist bei immer mehr Verbrauchern
der Wunsch offensichtlich gewachsen, wieder größere
Anschaffungen zu tätigen. Sicherlich spielt dabei
neben der Weihnachtszeit auch ein bestimmtes Maß
an Nachholbedarf eine Rolle.
Konsumklima:
verbessert
Angesichts
der insgesamt positiven Entwicklung der Einzelindikatoren der
Verbraucherstimmung stieg auch der Wert des Konsumklimaindikators.
Für Januar 2006 prognostiziert der Indikator nach
revidiert 3,4 Punkten im Dezember einen Wert von 3,8 Punkten.
Damit
haben sich die Chancen auf eine etwas positivere Entwicklung des
privaten Konsums im neuen Jahr 2006 leicht verbessert. Die offensichtlich
derzeit positive Einstellung gegenüber der neuen Regierung,
die größere finanzielle Planungssicherheit und die
gestiegene Bereitschaft, größere Anschaffungen schon
bald zu tätigen, weisen deutlich darauf hin. Die ins Haus
stehende Fußballweltmeisterschaft trägt nicht nur schon
jetzt im Weihnachtsgeschäft dazu bei, sondern wird in den
nächsten Monaten für zusätzlichen Konsum sorgen.
Es ist auch zu erwarten, dass die von der Regierung in Aussicht
gestellten Mehrbelastungen dazu führen, dass man Anschaffungen
vorzieht.
Langfristig
wird sowohl die Stimmung der Verbraucher als auch ihre Konsumneigung
in starkem Maß davon abhängen, ob die Wirtschaftsentwicklung
ebenfalls zu einer Verbesserung der Situation auf dem Arbeitsmarkt
führt. Erst wenn sich die Zeichen mehren, dass sich auch
in diesem für die Existenz der Konsumenten sensibelsten Bereich
etwas tut, ist mit einer nachhaltigen Besserung des Konsumklima
zu rechnen.
Zur
Studie
Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima
MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews,
die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In
diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert
und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich
darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher
für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter-
und Dienstleistungsmärkte.
Der nächste Veröffentlichungstermin ist der 27. Januar 2006.
Die folgende Tabelle zeigt die einzelnen Indikatoren im Überblick:
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Einkommenserwartung
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Diesem
Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde:
‚Wie wird sich - Ihrer Ansicht nach - die finanzielle Lage
Ihres Haushalts in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?’
(verbessern - gleich bleiben - verschlechtern)
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Konjunkturerwartung
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Diesem
Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde:
‚Was glauben Sie, wie wird sich die allgemeine wirtschaftliche
Lage in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?’ (verbessern
- gleich bleiben - verschlechtern)
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Konsum-
und Anschaffungsneigung
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Diesem
Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde:
‚Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen
zu tätigen?’ (Der Augenblick ist günstig - weder günstig
noch ungünstig - ungünstig)
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Konsumklima
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Dieser
Indikator soll die Entwicklung des privaten Verbrauchs erklären.
Seine wesentlichen Einflussfaktoren sind die Einkommenserwartung,
die Anschaffungs- und die Sparneigung. Die Konjunkturerwartung
wirkt eher indirekt über die Einkommenserwartung auf das
Konsumklima.
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Weitere Informationen: Rolf Bürkl, GfK Marktforschung,
Tel + 49 (0)911 395-3056 – Fax +49 (0)911 395-4084, rolf.buerkl@gfk.de
Zur GfK Gruppe
Die GfK Gruppe, weltweit die Nummer 5 der Marktforschungsunternehmen,
ist in den fünf Geschäftsfeldern Custom Research, Retail
and Technology, Consumer Tracking, Media und HealthCare aktiv.
Am 1. Juni 2005 hat die GfK die NOP World, die Nummer 10 der Marktforschungsgruppen,
übernommen. Ohne NOP World erzielte die GfK im Jahr 2004
einen Umsatz von 672 Millionen Euro, zusammen mit NOP einen Umsatz
von knapp einer Milliarde Euro. Neben 13 Niederlassungen in Deutschland
gehören der GfK Gruppe insgesamt weltweit über 130 Unternehmen
in 63 Ländern an. Von den derzeit rund 7.600 Beschäftigten
arbeiten 80 Prozent außerhalb Deutschlands. Weitere Informationen
erhalten Sie unter www.gfk.de.
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Dr. Ulrike Schöneberg
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Artikel
erschienen am 28.12.2005 - GfK
Marktforschung GmbH
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