| Großer Erfolg für
das Meisterwerk von Puccini das
zum ersten Mal vom florentinischen Regisseur inszeniert wird. Die "Butterfly"
von Zeffirelli kommt mit großer psychologischer Dichte daher. Der Maestro meistert
die Herausforderung des Bühnenbildes aufgrund der Größe des Amphitheaters mit
Bravour. Der Dirigent des Orchesters Daniel Oren erreicht höchste Ausdruckskraft,
ohne das harmonische und klangliche Konzept Puccinis zu vernachlässigen. Fiorenza
Cedolins singt das Cio-Cio-San elegant und geschmeidig. Giordani ist ein brillanter
Pinkerton und Pons ein herausragender Sharpless von Cesare Galla
Die Madame Butterfly war zum letzten Mal 1999 in der Arena zu
sehen, in einer videotechnischen Version von fast abstraktem Charakter, unterstützt
von ineffizienten oder eher kontraproduktiven Verstärkern. Auch dies war
ein Versuch, die Schwierigkeiten, die sich aus dem monumentalen Raum und der Dramaturgie
dieser Oper - intim, voller Seufzer und psychologischer Tiefe - ergeben, zu lösen.
Aber es handelte sich um einen Versuch, der keine Spuren hinterlassen hat, und
der, ohne ihm eine Träne nachzuweinen, in die Archive wanderte. Fünf
Jahre danach, gestern Abend, kam die Tradition wieder zu ihrem Recht, wenn man
auch anmerken muss, dass diese Oper im römischen Amphitheater von Verona
nicht auf eine lange Tradition zurückblicken kann. 1978 wurde sie hier erstmals
aufgeführt und blieb in den sechs Festivals, in denen sie auf dem Programm
stand, unter fünfzig Vorstellungen. Ein Ereignis, das Schlagzeilen macht,
vorweg: Franco Zeffirelli befasste sich erstmals in seiner Karriere mit der japanischen
Tragödie von Puccini. Ein gefürchtetes Debüt für jedermann,
nicht so für den 81-jährigen, florentinischen Regisseur, der in seiner
großartigen künstlerischen Schaffensphase die Arena zum Mittelpunkt
seiner Gedanken macht, ein "Stein des Vergleichs" auch in Hinblick auf
Inszenierungen, die er in traditionellen Theatern fortführt. Es war eine
Herausforderung: die solide, extrovertierte und raffinierte Grandiosität
Zeffirellis angewendet auf die orientalische Tragödie, mit einer Person im
Mittelpunkt, die im Grunde wenig Exotik erlaubt, höchstens im ersten Akt,
die aber immer mehr zu einer Reise ins Innere der Psyche der verführten und
verlassenen Kind-Frau wird, die am Ende bereit ist für den "ehrenvollen
Tod".
Dies ist eine Oper, in der der Raum hauptsächlich den physisch engen Raum
meint, der die Hauptdarstellerin umgibt. Weder die exotischen Gewänder und
Japanalien, die sicher gut gewählt sind, noch die Musik können da noch
viel hinzufügen. Auch Zeffirelli setzt auf Konzentration, im wahrsten
Sinne des Wortes. Er negiert weder noch ignoriert er die Monumentalität der
Arena, aber er begrenzt sie mit einem Hintergrund, der die Stufen hinter der Bühne
fast immer verbirgt. Neun hohe Paneele, mit Baumelementen geschmückt, erheben
sich auf der Bühne und wirken wie Jalousien, sodass man im geeigneten Moment
großer Emotionalität sehen kann, was dahinter geschieht. Und dahinter
etwas Glitzerndes - ein Traum, eine Sehnsucht, ein Meer, eine Hoffnung. Das
Bühnenbild wird zu Anfang vom Hügel Nagasakis beherrscht, der in der
Mitte der Bühne platziert ist, bewohnt und frequentiert von geschäftigen
Menschen, das Vergnügungsviertel am Hafen in unmittelbarer Nähe. Schon
nach kurzer Zeit teilt sich der Hügel und wird zu einer Wohnung. Pinkerton
hat sie für 999 Jahre gekauft: Sie kommt dem Zuschauer entgegen bis fast
zum vorderen Rand der Bühne, wie in einem umgekehrten filmischen Zoom. Nachdem
sie die "ideale Schärfe" erreicht hat, entspinnt sich die Geschichte,
ohne große Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Entwicklung.
Eine geniale Lösung, die von den präzise authentischen Kostümen
Emi Wadas unterstrichen wird. Sie zeichnet das Bild Japans Anfang des 20. Jahrhunderts
ohne Affektiertheit oder übertriebene Eleganz, dennoch raffiniert, leichtfüßig,
einprägsam und voller feiner Symbolismen, ohne in Kitsch zu verfallen.
Präzise und wirkungsvoll auch die Gesten, Bewegungen und die Ausleuchtung
der Bühne; eine kultivierte Aufführung, die eher gefasst wirkt, wenn
auch im zweiten Teil (im zweiten und dritten Akt) ab und an die Emotionen vom
Regisseur geschickt kontrolliert ausbrechen. Darüber hinaus ist es der Raum
der Arena selbst, der es nicht erlaubt, die Geschichte ausschließlich auf
die psychologische Intensität der Cio-Cio-San zu fokussieren. Die wirkungsvolle
Linearität der Oper, die mit wahrer Theatralik die Schönheit der Duette
unterstreicht, kommt besser zum Vorschein als in anderen Momenten. Die kritischen
Punkte sind die musikalische und dramatische Invention, wie sie die Kritiker bis
heute, 100 Jahre nach der Uraufführung, nicht ganz zu Unrecht bezeichnen,
die handwerklich gut und sogar schlau, dennoch diskontinuierlich erscheinen.
Auf musikalischer Ebene bot die gestrige Vorstellung Interpreten von großer
Sensibilität und Ausdruckskraft. Daniel Oren lässt vom Podium aus Momente
höchster Anspannung entstehen, ohne in die Falle allzu naturalistischer Manier
zu geraten - mit großem Reichtum an Schattierungen in der Phrasierung und
an Klangfarben und dem Vermögen, die Melodie zu unterstreichen, ohne das
moderne Konzept Puccinis hinsichtlich der Harmonie und des Klanges zu vernachlässigen.
Das Ergebnis (das auch der engagierten Mitwirkung des Orchesters der Arena zu
verdanken ist) ist ein gut komponiertes und doch sehr konzentriertes Gemälde,
in dem die psychologische, fast psychoanalytische Innenschau mit gut ausbalancierten
dramaturgischen Mitteln zum unvermeindlichen Ausgang der Geschichte geführt
wird. Fiorenza Cedolins hat die Herausforderung, die die Figur der Butterfly darstellt,
wieder bravourös gemeistert (auch wenn sie körperlich nicht perfekt
zur Rolle passt), dank bühnentechnischer Intelligenz und der hervorragenden
Beherrschung ihrer Stimme. Ihre Cio-Cio-San ist von Anfang an kein exotisches
Püppchen, sondern eine Frau, die sich ihrer Emotionen bewusst ist. Enttäuschung
und Vernichtung wird beinahe immer mit stolzer Innerlichkeit und doch nicht banal
naturalistisch beschrieben.
Nur selten verfällt die Inszenierung in allzu naturalistische Manier, wohl
des Effektes wegen, und unterbricht damit nur gelegentlich dieses kohärente
und faszinierende Drama, das die Psychologie der Hauptfigur voll und ganz erfasst,
auch innerhalb des Bühnenbilds, das reich an kleinen, wirkungsvollen Details
ist. Um die Hauptfigur herum erscheint Pinkerton mit voller Stimme, manchmal
fast zu laut, während Marcello Giordani, ein Tenor von extrovertierter Phrasierung,
wie für die Größe der Arena geschaffen scheint. Juan Pons modelliert
mit weichem Bariton das müde und für die sich entwickelnde Tragödie
wirkungslose Mitgefühl des Konsuls Sharpless. Francesca Franci gab eine ausgezeichnete
Suzuki mit dunklem Timbre, aber auch die anderen Sänger waren hervorragend:
der schmeichlerische, aufdringliche Goro von Carlo Bosi und der aufgebrachte Onkel
Bonzo von Carlo Striuli, um diese besonders hervorzuheben (gut war aber auch der
Yamadori von Alessandro Battiato). Aufmerksam, engagiert und präzise
war auch der Chor unter der Leitung von Marco Faelli. Indem der Chor den Mund
(bis zum zweiten Akt) nicht öffnete, hat er dem ausdrücklichen Wunsch
Daniel Owens entsprochen: Erzähle tausend Worte, indem du von den Leiden
einer Seele singst.
Deutsche
Übersetzung des Artikels aus L'Arena vom 20.6.2004 - L'
Arena [PRESSE
ARENA VERONA] |