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Internet-Firmen
beenden Umsonst-Kultur
Online-Studie
sieht den Breitbandmarkt auf zehn Milliarden Euro anwachsen
von
Thomas Heuzeroth
Das Breitbandmarktvolumen in Deutschland wird sich in den nächsten
sechs Jahren verfünffachen. Das ist ein Ergebnis der Studie
"Deutschland Online 2", die in der kommenden Woche vorgestellt
wird. Demnach wird der Breitbandmarkt 2010 etwa zehn Milliarden
Euro umfassen. Derzeit beträgt der Breitbandumsatz hierzulande
zwei Milliarden Euro.
"Deutschland
Online 2" ist die zweite Ausgabe der umfassendsten kombinierten
Experten- und Konsumentenbefragung, die bisher in Deutschland
zum Thema Breitband-Internet durchgeführt wurde. Unter Leitung
von Bernd Wirtz von der Universität Witten-Herdecke und in
Zusammenarbeit mit T-Online und Sony BMG sind mehr als 3000 Konsumenten
und Experten aus der deutschen Wirtschaft und öffentlichen
Institutionen befragt worden.
Tatsächlich
entwickeln sich Breitbandzugänge bereits jetzt immer mehr
zum Umsatztreiber deutscher Internet-Unternehmen. Hohe Preisnachlässe
haben in den vergangenen Monaten das Wachstum bei DSL-Anschlüssen
beschleunigt. Alle Anbieter melden Rekordzahlen bei der Zahl ihrer
DSL-Kunden. Allein zwischen Juli und September konnte Marktführer
T-Online nahezu 300 000 neue Breitbandnutzer als Kunden gewinnen,
bei United Internet waren es mehr als 100 000. Insgesamt gibt
es hierzulande mehr als fünf Millionen DSL-Zugänge.
Bis 2007 soll sich diese Zahl verdoppeln, drei Jahre später
rechnen die Experten bereits mit 17 Millionen Breitbandnutzern.
Auch
in Zukunft wird der mit Abstand größte Anteil der Breitbandzugänge
die DSL-Technologie nutzen. Derzeit laufen nur rund drei Prozent
der schnellen Internet-Anschlüsse über den TV-Kabelanschluß.
Bisher haben sich die Kabelnetzbetreiber in Deutschland mit ihren
Investitionen in die Aufrüstung der Netze zurückgehalten.
Die kürzlich vom Kartellamt untersagte Fusion mehrerer Netzbetreiber
könnte den Ausbau erneut verlangsamen. Die Zugangsanbieter
gehen davon aus, daß der Anteil der Internet-Zugänge
über TV-Kabel in sechs Jahren nicht mehr als neun Prozent
betragen wird. Andere Übertragungswege für das Breitband-Internet
spielen in Deutschland so gut wie keine Rolle.
Nicht
nur die Zahl der schnellen Zugänge wird zunehmen, Breitbandnutzer
werden künftig auch mehr Zeit im Internet verbringen. "Breitband
hängt Schmalband ab", sagt T-Online-Chef Rainer Beaujean.
"Breitbandnutzer verdreifachen die tägliche Nutzungsdauer
bis 2010 auf rund zwei Stunden am Tag." Schmalbandnutzer
seien hingegen in sechs Jahren lediglich 24 Minuten täglich
im Internet. Doch auch das sei noch ein Plus von 50 Prozent. Daß
die Nutzungsdauer im Schmalband deutlich kürzer ist, liegt
nicht zuletzt an den Tarifstrukturen der Internet-Zugänge.
Während das Surfen im Netz über die normale Telefon-
und ISDN-Leitung zeitabhängig abgerechnet wird, überwiegt
bei Breitbandzugängen der zeitunabhängige Pauschaltarif.
Grundsätzlich
ist die zunehmende Nutzungsdauer kaum verwunderlich: Die meisten
befragten Experten erwarten, daß sich das Netz von einem
Informations- zu einem Unterhaltungsmedium wandelt. Erste Angebote,
die in diese Richtung weisen, sind bereits verfügbar. So
ermöglicht T-Online das Herunterladen von Kinofilmen über
DSL-Leitungen. Die Filme können dann auf dem Computer-Monitor
oder auf dem Fernseher betrachtet werden.
Mit
solchen Bezahlangeboten versuchen die Internet-Unternehmen die
durchschnittlichen Einnahmen pro Nutzer anzuheben. Bisher hielt
sich der Erfolg allerdings in Grenzen. Bereits der ehemalige T-Online-Chef
Thomas Holtrop mußte seine ursprünglichen Erwartungen
zurücknehmen, rund ein Drittel seines Gesamtumsatzes mit
diesen Inhalten zu machen. Zu sehr haben sich die Internet-Nutzer
an die Kostenlos-Kultur im Netz gewöhnt.
Dies
wird sich der Studie zufolge allerdings ändern. Der Nutzungsanteil
der bezahlten Inhalte wird von heute 16 Prozent auf fast 40 Prozent
in sechs Jahren steigen. Diese Entwicklung wird vor allem von
Film-, Spiel- und Musikangeboten getrieben. Die befragten Experten
erwarten für 2010 einen Umsatz von 185 Millionen Euro, der
mit Bezahl-Inhalten erwirtschaftet wird.
Eine
schnellere Entwicklung werde durch die noch zu geringe Verbreitung
von Breitbandanschlüssen, eine zu geringe Zahlungsbereitschaft
der Konsumenten und die fehlende Nutzbarkeit von Breitbandinhalten
auf TV-Geräte behindert, heißt es in der Breitbandstudie.
Die
Zukunft der digitalen Kaufhäuser sieht beim Vertrieb von
Filmen, Musik und Spielen nicht allzu gut aus. Die befragten Inhalte-Experten
gehen eher davon aus, daß in diesen Bereichen Spezialisten
das Rennen machen werden.
Beim
Einkauf von Musik im Internet steht nicht der Preis an erster
Stelle der Käuferprioritäten. "Anbieter, die im
Netz erfolgreich sein wollen, müssen vor allem den Download
der Musik schnell und unkompliziert machen", sagt Rolf Schmidt-Holtz,
Chairman des Musikanbieters Sony BMG. Außerdem müsse
die Auswahl breit sein. "Nur so können die Dienste mit
illegalen Angeboten wirksam konkurrieren." Der Studie zufolge
fördert der Online-Musikvertrieb die künstlerische Vielfalt,
da auch unbekannten Künstlern dieser Vertriebsweg offenstehe.
Auch
die Kommunikation über das Internet wird künftig eine
größere Rolle spielen. 2010 sollen bereits fast 40
Prozent der deutschen Haushalte über ein Heimnetzwerk verfügen,
an denen mehrere Geräte angeschlossen sind. Eine der höchsten
Wachstumsraten erwartet die Studie bei der Telefonie über
das Internet. Bereits heute bieten die Unternehmen Freenet, United
Internet und Web.de solche Gespräche an. Sogar normale Festnetztelefone
können aus dem Internet heraus angerufen werden. 2010 wird
der Umfrage zufolge fast jeder dritte Haushalt diesen Service
nutzen.
Die
meisten in der Untersuchung befragten Experten sehen im Breitband-Internet
einen zentralen volkswirtschaftlichen Wettbewerbsfaktor. Die Verbreitung
der Breitbandzugänge wirkt sich somit auf die Attraktivität
des Wirtschaftsstandortes aus. Mehr als jeder zweite Experte erkennt
einen Zusammenhang zwischen der Breitbandverbreitung und der langfristigen
Wettbewerbsfähigkeit eines Landes in wachstumsstarken Branchen.
Artikel
erschienen am 14.11.2004 - Welt
am Sonntag
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