Herbstgutachten:
Wirtschaft wächst verhalten
Fünf
der sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute gehen für 2005
von geringerem Wachstum als in diesem Jahr aus. Die Schwäche des
privaten Konsums halte an
Berlin
- Fünf der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute
rechnen für 2005 mit einem Nachlassen der Konjunkturbelebung
in Deutschland. Nach einem Wachstum von 1,8 Prozent in diesem
Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich nur
um 1,5 Prozent zunehmen, schreiben die Forschungseinrichtungen
in ihrem Herbstgutachten.
Nur
das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin
rechnet für das kommende Jahr mit einem höheren BIP-Anstieg
von zwei Prozent. In ihrem Frühjahresgutachten gingen die
Forscher noch von einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent in diesem
und im nächsten Jahr aus.
Zur
Begründung ihrer pessimistischen Haltung verweisen die Institute
darauf, daß die Impulse für den Aufschwung bisher allein
aus dem Ausland gekommen seien. Im Gegensatz zum Außenhandel
halte jedoch die Schwäche der Binnenkonjunktur ungewöhnlich
lange an.
Sinkende
Zuwächse im Export prognostiziert
Im
kommenden Jahr würden die Exportzuwächse sinken, da
der globale Aufschwung insbesondere in seinen Kaufzentren USA
und China an Tempo verliere. Gleichzeitig expandiere die Inlandsnachfrage
nicht stark genug, um dies auszugleichen.
Als
Grund nennen die Wirtschaftsforscher die geringe Zunahme des privaten
Konsums. Als bremsende Faktoren für die Nachfrage der privaten
Haushalte wirkten gedrückte Einkommenserwartungen und hohe
Energiepreise.
Ein
rascher Anstieg der Bauinvestitionen reiche nicht aus, um die
Inlandsnachfrage ausreichend anzukurbeln. Zudem sei ein Ende der
Talfahrt bei diesen Investitionen nicht abzusehen.
Institute:
Arbeitsmarkt wird nicht entlastet
Insgesamt
reicht das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der Forschungsinstitute
nicht für eine deutliche Entlastung am Arbeitsmarkt. Zwar
nehme die Zahl der Beschäftigten seit Jahresbeginn langsam
zu. Dies sei aber vor allem eine Folge neuer Instrumente der Arbeitsmarktpolitik
wie Minijobs und Ich-AG.
Die
Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sei
dagegen weiter gesunken und die Arbeitslosigkeit spürbar
gestiegen. Eine rasche Besserung sei auch im kommenden Jahr nicht
zu erwarten.
WELT.de/ddp
Artikel
erschienen am 19.10.2004 - Die
Welt
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